Jedes Kind nimmt die Welt auf seine ganz eigene Weise wahr, und eines der zentralen Elemente dieses Prozesses ist sensorische Integration – die Fähigkeit des Körpers, sensorische Reize aufzunehmen, zu verarbeiten und zu interpretieren. Die sensorische Integration ermöglicht es dem Kind, angemessen auf die Reize in seiner Umgebung zu reagieren. Sie bildet damit die Grundlage für Entwicklung, Lernen und soziale Interaktion.
Leider nicht jedes Kind verarbeitet Reize auf die gleiche Weise, was zu Störungen der sensorischen Integration (SI) führen kann. Diese Störungen entstehen durch eine fehlerhafte Verarbeitung von Reizen durch das Nervensystem und können jedes Sinnessystem betreffen: Tastsinn, Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Gleichgewicht und Tiefensensibilität.
Wie erkennen Sie, welchem sensorischen Typ Ihr Kind entspricht? Hier sind die häufigsten Kategorien und die Merkmale der einzelnen Typen.
Hypersensibel
Reizempfindliche Kinder nehmen Reize als zu stark wahr und reagieren deshalb besonders intensiv. Typische Anzeichen einer Überempfindlichkeit sind:- Berührungen werden gemieden oder als unangenehm empfunden.
- Sehr starke Reaktion auf Schmerzen - selbst kleine Verletzungen verursachen erhebliches Unbehagen.
- Unbehagen bei bestimmten Texturen von Kleidung, etwa störende Etiketten oder eine deutliche Vorliebe für bestimmte Materialien.
- Unbehagen beim Haarewaschen, Kämmen und Nägelschneiden.
- „Schmutzige“ Dinge wie Fingermalen oder Spielen im Sand vermeiden.
- Starke oder vermeidende Reaktionen auf Geräusche, helles Licht oder intensive Gerüche.
- Schwierigkeiten mit Bewegung – das Kind meidet Schaukeln, Menschenmengen oder körperliche Aktivität.
Hyposensibel
Sensorisch unterempfindliche Kinder benötigen stärkere Reize, um diese wahrzunehmen. Ihr Nervensystem funktioniert wie ein „gedämpftes“ Radar, wodurch sie antriebslos wirken können. Typische Merkmale sind:- Unempfindlichkeit gegenüber Schmerzen – das Kind kann sich schneiden, ohne es zu bemerken.
- Keine Reaktion auf Veränderungen der Körperposition.
- Apathie, fehlendes Erkunden der Umgebung, niedriges Energieniveau.
- Auf ungenießbaren Gegenständen kauen, z. B. auf Bleistiften oder Kleidung.
- Ungeschicklichkeit, Anstoßen an Gegenstände, Gleichgewichtsprobleme.
- Keine Reaktion auf intensive Gerüche oder Geräusche.
Kind mit starkem Bedürfnis nach sensorischen Reizen
Kinder, die sensorische Eindrücke suchen, haben ein ständiges Bedürfnis nach intensiven Reizen. Sie suchen nach neuen Herausforderungen und zeigen übermäßige Aktivität. Zu den typischen Merkmalen gehören:- Ständiger Bewegungsdrang - Laufen, Springen, Drehen.
- Sie mögen intensive Geschmacksrichtungen und Gerüche und probieren sogar ungenießbare Dinge aus.
- Verhaltensweisen, die aggressiv wirken können, etwa Schubsen, Beißen oder Anrempeln anderer.
- Riskantes Spielen – auf hohe Gegenstände klettern oder aus großer Höhe springen.