Mama geht zurück in den Beruf – wo anfangen?
„Wenn die Kinder aus heiterem Himmel einen Ausflug verlangen oder mein Mann in letzter Minute vorschlägt, ins Kino zu gehen, fühle ich mich völlig zerrissen“, sagte Anna. „Gehe ich mit ihnen, habe ich Schuldgefühle, weil ich zu Hause einen Berg Wäsche, unbezahlte Rechnungen, einen unfertigen Bericht, unerledigte Telefonate und Dutzende anderer Dinge zurücklasse, um die ich mich kümmern sollte. Sage ich den Kindern und meinem Mann ab, fühle ich mich auch schuldig, weil ich mich, statt der Familie mehr Zeit zu widmen, mit anderem beschäftige und meine Liebsten vernachlässige. So ist es schlecht, und so ist es nicht gut; ich weiß nicht mehr, wie ich aus dieser Situation herauskommen soll.“ Beim Lesen dieser Aussage seufzen Frauen, die zwei Vollzeitjobs stemmen, wahrscheinlich verständnisvoll, denn wer, wenn nicht sie, versteht Annas Dilemma ganz genau.
Mit Sorge sprechen sie über das Niveau des Unterrichts in den Schulen, über die Gleichaltrigen, mit denen ihre Kinder befreundet sind, und über die Verhaltensmuster, die in den sozialen Medien verbreitet werden. Sie klagen, dass ihnen die Zeit für alles fehlt, was sie tun möchten, und manchmal sogar für das, was sie ihrer Überzeugung nach tun sollten. Sie geben zu, dass sie das Gefühl für Balance und für die verstreichende Zeit verlieren; die Tage vergehen unbemerkt, und sie kommen nicht einmal dazu, sie zu genießen. Es sieht so aus, als hätten nur noch die Kinder ein Recht auf Freude und Spiel….
- Wann bist du zuletzt Fahrrad gefahren?
- Wann hast du dich zuletzt mit Kunst beschäftigt; wann hast du etwas nach eigenem Entwurf und mit eigenen Händen gemacht?
- Wann hast du dich so glücklich gefühlt, dass du aus vollem Hals gelacht hast?
- Hast du Begriffe wie Spaß und Erholung aus deinem Wortschatz gestrichen?
- Ist die Zeit dein Feind?
Eine berufstätige Frau steht vor dem ewigen Dilemma: Wie viel Zeit soll sie der Arbeit widmen und wie viel der Familie. Meyera Oberndorf
Das Leben vieler Menschen vergeht in ständiger Vorbereitung auf das Leben.
Dr. Paul Tournier
Der Versuch, die Frage zu beantworten, was ein perfektes Leben ist, hat keinen Sinn. Absolute Perfektion ist nämlich eine Illusion. Wir stellen uns vor, dass sich alles perfekt fügt, wenn die Kinder selbstständig werden, wenn wir befördert werden, wenn wir den Job wechseln, wenn wir ein größeres, schöneres und pflegeleichteres Haus kaufen. Wenn, wenn, wenn... Plötzlich wird uns bewusst, dass zwanzig Jahre wie im Flug vergangen sind und unser Leben immer noch nicht perfekt ist.
Indem wir über die Jahre verschiedenste Hindernisse im Familien- und Berufsleben überwunden haben, haben wir einen beträchtlichen Erfahrungsschatz gesammelt, der zur Grundlage einer Strategie zur Konfliktlösung geworden ist. Hier ihre Schritte.
- Die Ursache oder den Bereich des Konflikts bestimmen.
- Den Angriff auf das Problem richten, nicht auf die Person.
- Die Argumente der anderen Seite anhören. Sich in den Hintergrund zu stellen kann sogar angenehm sein.
- Nicht nur darauf achten, was die andere Seite sagt, sondern auch darauf, was sie auslässt.
- Einen Aktionsplan vereinbaren.
- Den Plan testen.
- Sich bei der Umsetzung des Plans gegenseitig unterstützen
- Bei Bedarf die Einschätzung der Situation überprüfen und die Bedingungen neu verhandeln.
Mit bisherigen Gewohnheiten zu brechen – die notwendige Voraussetzung aller Veränderungen und Reformen – erfordert mehr als einen Vorsatz. Es erfordert Motivation, Bereitschaft und Willen. Diese aber kommen in der Krise zu Wort, und deshalb ist sie meist der einzige Auslöser von Veränderung.
Robert H. Waterman
Erwartungen und Wirklichkeit
Manche Frauen wollen alles auf ihre Art machen, weil sie so erzogen wurden. Der Gipfel ihres Ehrgeizes und das wichtigste Kriterium ihrer Selbsteinschätzung ist, sagen zu können: „Ich habe alle Hemden gebügelt, das Haus geputzt, ich kann das Brot verdienen und es selbst backen.“ Einverstanden. Wenn sie sich nicht müde fühlen, wenn ihre Familien nicht darunter leiden und vor allem, wenn sie nicht die Rolle der Märtyrerin spielen…
Ein allgemein bekannter Grundsatz der Wirtschaft besagt, dass Mitarbeiter, die sich mit den Zielen des Unternehmens identifizieren, diese bereitwilliger umsetzen. Sicher sein, dass das geschieht, kann man nur, wenn man ihnen bei der Festlegung der Ziele ein Mitspracherecht einräumt.
Führe eine Familie so, wie du einen kleinen Fisch brätst: sehr behutsam. Chinesisches Sprichwort
Kommunikation ist nicht nur Worte, Bilder, mathematische Symbole, Gleichungen und Modelle; sie ist die Beziehung zwischen Menschen, die der Einsamkeit entfliehen, Erfahrungen teilen und Ideen säen wollen. William M. Marstellar
Beginne also damit, die Erwartungen zu klären. Fragt jedes Familienmitglied, das sprechen kann, was es von den anderen in Fragen wie diesen erwartet: familiäre Bindungen, gemeinsame Mahlzeiten, ordentliche Kleidung, Ordnung im Haus usw.
Wenn ihr versucht, die Familienmitglieder zur gemeinsamen Arbeit zu bewegen – was übrigens gar nicht leicht ist –, denkt daran, dass die Familie das als Bitte um Hilfe bei Hausarbeiten auffassen kann, die nach euren Kriterien und gemäß euren Erwartungen erledigt werden sollen – einfach „auf eure Art“. Sollte es so laufen, müsst ihr die Anforderungen und die Art der Ausführung ändern. Es lohnt sich dann zu überlegen: Was möchte der Mann erreichen, und was die Kinder? Kann jedes Familienmitglied bei der Arbeit im Team seine individuellen Ziele verwirklichen? Ihr müsst Wege finden, die individuellen Erwartungen mit dem Hauptziel der ganzen Familie zu verbinden – einem gut geführten Haushalt. Denn dann bringt die Teamarbeit jedem einen Nutzen.
Emilia Adamczyk