Frühe Beikost hilft deinem Baby nicht, besser zu schlafen
Beliebte Elternportale behaupten, dass feste Nahrung schon im Alter von nur vier Monaten Babys beim Einschlafen hilft. Auch wenn das für erschöpfte junge Eltern verlockend klingen mag, klafft leider eine große Lücke zwischen den Schlagzeilen vielgelesener Texte und verlässlichen Daten.
Es gibt keinen physiologischen Grund, warum die frühe Einführung fester Nahrung einem Baby beim Einschlafen helfen sollte. Erstens wachen Babys (nach den ersten Wochen) nachts nicht nur auf, weil sie hungrig sind. Wie Erwachsene wachen sie auf, weil ihnen kalt ist, weil sie unbequem liegen oder einfach Geborgenheit wollen. Der Unterschied ist, dass sie sich nicht immer selbst wieder in den Schlaf beruhigen können.
Die verbreitete Praxis, vor dem Schlafen Brei in die Flasche zu geben (was man vermeiden sollte, weil es zum Verschlucken führen kann), hat keinen Einfluss auf den Schlaf.
Selbst wenn es um Hunger geht, wäre die vernünftigste Lösung, zusätzliche Milch anzubieten, denn sie liefert mehr Energie, Fett und Eiweiß als Brei.
Hinzu kommt, dass die nächtliche Milch eine andere Zusammensetzung hat als die tagsüber produzierte.
Sie ist kalorienreicher. Das ist eine sehr wichtige Information, besonders für Eltern von Babys, die zu wenig zunehmen. Mehr feste Mahlzeiten auf Kosten weniger nächtlicher Stillmahlzeiten vorzuschlagen ist ein Bärendienst. Es gibt keine kalorienreichere Nahrung für einen Säugling als Muttermilch.
In einer Studie wurde Eltern empfohlen, sehr kleine Mengen allergener Lebensmittel (wie ein Ei, 25 g Fisch und 100 g Joghurt, verteilt über eine Woche – nur ein paar Löffel täglich) zusammen mit Reis, Getreideflocken, Obst und Gemüse zu geben. All diese Lebensmittel sind kalorienärmer als Muttermilch oder Säuglingsmilch, nehmen aber mehr Platz ein, was bedeutet, dass die Säuglinge deutlich weniger aßen und dadurch häufiger zum nächtlichen Stillen aufwachten.
Die frühere Einführung fester Nahrung kann mühsam, zeitaufwendig und demotivierend sein, weil Babys physiologisch einfach noch nicht darauf vorbereitet sind, so früh feste Nahrung zu essen. Studien zeigen auch: Je früher ein Kind abgestillt wird, desto länger braucht es, um ein paar Löffel eines neuen Lebensmittels zu akzeptieren und zu essen.
Schwankender Melatoningehalt in der Muttermilch
Melatonin wird dem Baby über die Muttermilch weitergegeben. Sie ist für den Säugling eine bedeutende Quelle dieses Hormons. Mehr noch, sein Gehalt in der Milch hängt von der Tageszeit ab – in der „dunklen“ Phase des Tages ist die Konzentration deutlich höher, was aus dem natürlichen Rhythmus seiner Ausschüttung folgt. Höher ist dann auch die Konzentration der Glutathionperoxidase Gpx3, was auf ein höheres antioxidatives Potenzial der abends und nachts produzierten Milch hinweist.
Die Schlafqualität des Babys hängt bis zu einem gewissen Grad von der Menge des Melatonins ab, das die Mutter weitergibt. Das bedeutet, dass es wichtig ist, die richtige Melatoninproduktion bei der Mutter zu erhalten. Sie sollte sich abends keinem blauen Licht aussetzen und auch keinen anderen Reizen, die die Melatoninproduktion stören könnten. Vereinfacht gesagt: Wenn die Mutter auf einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus achtet, sollte auch der Rhythmus des Babys regelmäßiger werden.
Mütter, die Milch abpumpen, können erwägen, zwischen der in der hellen und der in der dunklen Tagesphase gewonnenen Milch zu unterscheiden, um den richtigen Melatoninrhythmus beim Säugling zu erhalten.
Eine zu frühe Einführung fester Nahrung kann zu einer geringeren Aufnahme von Muttermilch (und der darin enthaltenen Antikörper) führen und auch Verdauungsprobleme verursachen, weil Säuglinge bis zum sechsten Lebensmonat nicht genug von allen Enzymen produzieren, die für die richtige Verdauung fester Nahrung nötig sind.
Babys wachen nachts auf. Das ist ihre Natur. Die Schlafphasen sind bei Babys kürzer als bei Erwachsenen, daher kommt kurzes Aufwachen viel häufiger vor. Muttermilch enthält eine hohe Konzentration an Tryptophan, das die Melatoninproduktion des Babys ermöglicht.
Bei der Verallgemeinerung offizieller Ernährungsempfehlungen für Säuglinge ist große Vorsicht geboten. Wir sollten fragen, warum Eltern so sehr gegen den Schlaf kämpfen, statt nach besseren Wegen zu suchen, ihn zu unterstützen…
Emilia Adamczyk