Wie hilft man einem zahnenden Baby?
Wenn bei eurem Kind noch keine Anzeichen des Zahnens zu sehen sind, ist das nur eine Frage der Zeit. Bei vielen Kindern erscheint der erste Milchzahn zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat, manchmal auch etwas früher... oder später. Meistens sind es die unteren Einser (Schneidezähne), direkt danach sind die oberen Einser an der Reihe.
Zu den Anzeichen des Zahnens gehören unter anderem:
- Gereiztheit,
- Sabbern,
- Ausschlag,
- der Drang, auf allen Gegenständen herumzukauen,
- Durchfall,
- erhöhte Temperatur (bis 37,5–38 °C),
- Appetitlosigkeit,
- Einschlafschwierigkeiten,
- Husten (infolge des Sabberns).
Bei Säuglingen kann das Alter, in dem das Zahnen beginnt, durch verschiedene Faktoren stark variieren. Besonders deutliche Unterschiede beim Beginn des Zahnens gibt es bei Frühgeborenen. Reif geborene Kinder beginnen zu 84 % zwischen dem 5. und 10. Lebensmonat zu zahnen, Frühgeborene zu 85 % entsprechend zwischen dem 6. und 11. Lebensmonat. Für beide Gruppen grundsätzlich gesunder Kinder gelten die genannten Altersspannen als „rechtzeitiges Zahnen“.
Natürlich sind all diese Anzeichen auch Symptome verschiedener Krankheiten im Säuglingsalter. Wie erkennt man, ob das Kind zahnt oder doch eine Infektion durchmacht?
Gewöhnlich kann man das prüfen, indem man sich das untere Zahnfleisch des Babys ansieht. Ist es gerötet und aufgelockert und hat der kleine Mensch alle anderen Anzeichen des Zahnens, dann sind höchstwahrscheinlich doch die Zähnchen schuld. Bis sie erscheinen, kann allerdings einige Zeit vergehen (sogar zwei Monate, bis ein Zahn durch das Zahnfleisch bricht!). Wenn schon ein kleiner Bluterguss am Zahnfleisch zu sehen ist, wird auch der Zahn bald sichtbar sein. Blutergüsse zeigen an, dass der Zahn durch das Zahnfleisch bricht – er ist ganz, ganz nah!
In dieser Lebensphase will das Kind alles in den Mund stecken, weil es so die Welt kennenlernt; das bloße In-den-Mund-Stecken von Gegenständen bedeutet also noch nicht den Beginn des Zahnens.
Wie kann man dem Kind das Leiden beim Durchbruch der Zähnchen erleichtern? Manchmal wirkt ein für Säuglinge bestimmtes Schmerzmittel Wunder (und manchmal reagiert das Kind auf ein solches Allheilmittel gar nicht). Wenn du nicht weißt, welche Dosis du geben sollst, frag deinen Kinderarzt.
Zahnungsgele
Zahnungsgele unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung, und wir können sie in zwei Kategorien einteilen: solche, die Lidocain enthalten, und solche, die kein Lidocain enthalten. Derzeit wird empfohlen, bei Kindern Präparate aus der zweiten Kategorie zu verwenden, also ohne Anästhetika.
Die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) warnt davor, bei Kindern Zahnungspräparate mit lokal betäubenden Wirkstoffen zu verwenden.
Warum sind sie schädlich?
Lidocain kann bei Kindern Krampfanfälle, Verwirrtheit und Hörschäden verursachen. Es gibt keine Belege für die Wirksamkeit von Lidocain bei der Linderung von Zahnungsbeschwerden.
Zahnungsgele auf Lidocain-Basis können bei übermäßiger Anwendung auch eine Methämoglobinämie auslösen.
Was ist für Kinder sicher?
Am sichersten ist es, bei kleinen Kindern Präparate zu verwenden, die kein Lidocain enthalten. Gele, die Hyaluronsäure enthalten – ihre Wirksamkeit wurde in Studien bestätigt. Sie verbindet sich mit der Schleimhaut und haftet dicht am Zahnfleisch, wodurch ein Hydrogel-Verband entsteht.
Hyaluronsäure transportiert im Körper Nährstoffe und trägt so zur schnellen Regeneration geschädigter Zahnfleischstrukturen beim Baby bei.
Weitere Möglichkeiten, dem Kind beim schmerzhaften Zahnen Erleichterung zu verschaffen:
- Halte ein paar Beißringe bereit: Dafür sind sie da! Je nach Vorliebe kaut das Kind gern auf einem Gummi-Beißring oder einem mit Wasser gefüllten Beißring. Lege den Beißring nicht ins Gefrierfach, du kannst ihn aber im Kühlschrank aufbewahren, damit er kühl ist.
- Gib deinem Baby kühle, ungewürzte Breie und Getränke.
- Das Kind kaut vielleicht gern auf harten Lebensmitteln wie Zwieback oder Babykeksen.
- Spare nicht mit einer Extraportion Zärtlichkeit vor dem Schlafen oder tagsüber: Das Kind erträgt den Schmerz besser, wenn Mama bei ihm ist.
Wische überschüssigen Speichel so oft wie möglich von Kinn und Wangen: Zieh dein Baby um oder leg ihm Lätzchen an. Speichel kann Hautreizungen und Ausschlag verursachen. Du kannst die vollgesabberten Stellen auch mit kosmetischer Vaseline eincremen.
- Wenn das Kind Durchfall hat, denk an häufiges Windelwechseln, sonst kann es zu einem wunden Po kommen.
Wenn das Kind eine Temperatur über 38 °C hat oder krank wirkt, ruf den Arzt. Zwar ähneln die Anzeichen des Zahnens den Symptomen zum Beispiel einer Ohrenentzündung, doch es ist immer besser, sich zu vergewissern, dass dem Baby nichts fehlt.
Emilia Adamczyk